Gesamtkonzept des Wunderzyklus

Die Wunderszenen variieren ein wiederkehrendes Schema, das nicht für einen einzelnen Moment, sondern für die Verdichtung einer zeitlichen Abfolge steht. Die durch das Wunder bewirkte Veränderung der Situation kann in der aktiven Vorstellung konträrer Bewegungsrichtungen nachvollzogen werden. So geht der Besessene (Szene 1) einerseits ungestüm auf Christus zu, andererseits wirken seine ... mehr anzeigenDie Wunderszenen variieren ein wiederkehrendes Schema, das nicht für einen einzelnen Moment, sondern für die Verdichtung einer zeitlichen Abfolge steht. Die durch das Wunder bewirkte Veränderung der Situation kann in der aktiven Vorstellung konträrer Bewegungsrichtungen nachvollzogen werden. So geht der Besessene (Szene 1) einerseits ungestüm auf Christus zu, andererseits wirken seine auf den Rücken gebundenen Hände wie zurückgeschleudert. Sie sind Teil einer Bewegungskette, die von der Hand Christi ausgeht und von links nach rechts führt: die Dämonen, die dem Mund des Besessenen entweichen, fahren in die Schweine, diese stürzen sich ins Wasser und rechts fliehen die entsetzten Hirten, die vom Wunder berichten können. weniger anzeigen

  • Abb. 1 von 2 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Tafel 76g (Detail, ergänzte Markierung)

    Dieses am Beispiel der ersten Wunderszene (Die Heilung des Besessenen von Gerasa) entwickelte Schema kann auch auf die anderen Wunderszenen übertragen werden.

  • Abb. 2 von 2 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Tafel 64 (ergänzte Markierung)

    Christus tritt stets als große, von einem bühnenähnlichen Tor gerahmte Figur auf, die in Schrittstellung und mit im Sprech- und Segensgestus erhobener Hand von links nach rechts ausgerichtet ist. Durch die konstante Ausrichtung ergibt sich eine in den Bildern angelegte Bewegungsrichtung, die parallel zur Leserichtung der Tituli an der Nordwand ins Innere der Kirche und an der Südwand wieder zurück zum Ein- und Ausgang führt.