Parzivals Abschied von Herzeloyde (2. Buch, 128,13ff)
Auch die Abschiedsszene von Parzival und Herzeloyde ist nur noch fragmentarisch erhalten, die obere Hälfte des Bildfeldes fehlt. Auf einem Fundament, das als Andeutung eines festen Gebäudes betrachtet werden kann, ist die untere Körperhälfte einer in weite Gewänder gehüllten Figur zu sehen – vermutlich Herzeloyde. Die Körperhaltung lässt darauf schließen, dass sie dem kleinen Pferd nachschaut, das sich nach rechts entfernt. Auf dem Pferd ist andeutungsweise ein Körper auszumachen, es handelt sich um Parzival, der sich auf den Weg in die weite Welt macht.
Begleitet von den letzten Ratschlägen seiner Mutter reitet Parzival frohgemut davon. Von ihm unbemerkt bleibt die tiefe Traurigkeit Herzeloydes, die wohl auch im Konstanzer Fresko nicht in ihren Auswirkungen dargestellte wurde: Sie stirbt am Abschiedsschmerz, sobald Parzival außer Sichtweite ist. In Eschenbachs Epos preist sie der Erzähler als „rechte Mutter“ wie „wir heutzutage ihresgleichen nicht mehr haben“ (Spiewok, Band 1, S. 221).